San Esteban de Gormaz

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San Esteban de Gormaz (Deutsch)
    San Esteban de Gormaz ist eine kastillische Kleinstadt, die 70 km von der sorianischen Provinzhauptstadt, 28 km von der archäologischen Fundstelle Tiernes und 45 km von Aranda de Duero entfernt liegt. Sie ist strategisch günstig am oberen Ufer des Flusses Duero auf einem Hügel angesiedelt, über dem sich noch heute die Überreste seiner Burg erheben. Die ersten Spuren stammen aus dem späten Neolithikum (in der Cueva de las Salinas – Salinas Höhle). Es gibt ebenso Hinweise auf die keltisch-iberische Epoche, wobei die Blütezeit der Stadt im römischen Zeitalter liegt, wie es zahlreiche Funde von Inschriften, Keramik, architektonischen und dekorierenden Elementen zeigen. San Esteban de Gormaz (© J. Gallo)

    Die wichtigste Rolle in der spanischen Geschichte spielte San Esteban de Gormaz jedoch während der Reconquista, der Vertreibung der Mauren aus Spanien.

Marktplatz (© Juan Pablo Tejero Martín)     Im Jahre 883 eroberte Alfonso III die Stadt und befestigte sie, da sie nun mit dem Fluß Duero die Grenze zwischen Mauren und Christen bildete. Im Jahre 912 wurde die Stadt von Gonzalo Ferandez wiederbevölkert. Seitdem wurde San Esteban de Gormaz Zeuge vieler Schlachten zwischen arabischen und christlichen Herrschern, die den Besitz der Stadt im Zeichen des Kampfes fortlaufend von einer Hand in die andere gaben.

    Nach der Wiedereroberung und Vertreibung der Mauren fiel die Stadt in eine Lethargie, die einen politische, wirtschaftliche und demografische Krise einleitete. Die schwierigen klimatischen Verhältnisse und sukzessive Epidemien reduzierten die Bevölkerung drastisch. Im 20. Jahrhundert konnte durch Ansiedlung verschiedener Industrien, die eine Ergänzung zur immer noch überwiegend landwirtschaftlichen Bevölkerung bilden, die Landflucht in die Städte gebremst werden. Heutzutage beherbergt San Esteban de Gormaz eine differenzierte Infrastruktur von öffentlichen und kommerziellen Einrichtungen, die Stabilität und guten Service für die ca. 2500 Einwohner garantiert.

Stadttor, Marktplatz und Hauptstraße

    Wenn man den Plaza Mayor, den Marktplatz, von der Zugangsstraße aus betritt, erhebt sich vor einem das Stadttor, el Arco de la Villa, welcher früher das Eingangstor in der alten Stadtmauer war. In seiner Rückseite bewahrt es ein Schild mit den Waffen von Diego I López Pacheco el Grande, der von 1501 bis 1529 Graf von San Esteban de Gormaz war.

    Der Plaza Mayor hat die Form eines Quadrats und ist in einen Komplex aus Gebäuden mit Säulengang integriert. Auf der östlichen Seite erstreckt sich das Rathaus, welches in den 90er Jahren erbaut wurde. Es ersetzt das ursprüngliche Rathaus, von dem es außerdem eine Nachahmung ist, welches dort an gleicher Stelle von 1929 bis 1966 gestanden hat; 1966 wurde es unüberlegt durch ein neueres, moderneres, weniger in sein Umfeld integriertes Gebäude, ersetzt. 1994 hat die Duquesa de Alba (Gräfin von San Estaban) das heutige Rathaus eingeweiht, welches dem Platz einen Teil des verlorenen Glanzes der Vergangenheit zurückgibt.

Hauptstraße (© Juan Pablo Tejero Martín)

    Die Calle Mayor kreuzt seitlich den Plaza Mayor und setzt sich mit einem Säulengang in östliche Richtung fort. Über die ganze Straße hinweg befinden sich die berühmtesten Häuser der Stadt, Gebäude, die die Wappen der Adelsfamilien tragen. Besonders sticht ein Gebäude, bekannt als Viejo Cuartel hervor (es wurde in der ersten Hälfte des Jahrhunderts als Kaserne der Militärpolizei benutzt). In seiner Fassade sind neben Waffen mehrere römische Grabsteine und ein verzierter Quaderstein der westgotischen Epoche eingearbeitet.

Kirche des San Miguel

   Auf der rechten Seite der Calle Mayor entspringt die Straße San Miguel. Diese schmale, mit Kopfstein gepflasterte Straße führt uns zu einem der bedeutsamsten und überraschendsten Gebäude des romanischen Baustils. Die Kirche wurde 1801 von Meister Julianus gebaut (eine Inschrift über der Tür besagt dies). Durch ihr Entstehungsjahr ist sie somit die erste romanische Kirche mit Säulengang der Provinz und eine der ersten romanischen Kirchen in Kastillien-Leon.

Kirche des San Miguel

    Der Säulengang ist nach Süden gerichtet und besteht aus sieben Bögen mit fortlaufender Mauer, die nur durch eine Öffnung, die als Tür dient, unterbrochen wird. Die Art der Erbauung ist einfach. Die Kirche besteht aus einem Schiff mit Holzdecke, welches auf eine halbkreisförmige Apsis gerichtet ist, die den Raum abschließt. Der Turm, auf viereckiger Basis, ist an das Gebäude angebaut und besteht in der Innenseite aus Stein, im oberen Teil aus Ziegel- oder Backstein. Ein Zeichen des großen maurischen Einflusses, der auch im restlichen Teil des Gebäudes, besonders in den dekorativen Elementen, dominiert.

Kirche Nuestra Señora del Rivero

    Dank der dort verehrten Virgen del Rivero, Jungfrau del Rivero, ist sie die Kirche in der die größte Andacht und Ergriffenheit herrscht. Strategisch auf einer Anhöhe gelegen, dominiert sie mit ihrem Säulengang das ganze Ufer des Duero (daher ihr Name).

    Sie wurde in der ersten Hälfte des Jahrhunderts erbaut und zeigt den Stil und Struktur wie die Kirche San Miguel, allerdings in größeren Ausmaßen. Die dekorativen Elemente bewahren mit größerer Perfektion den arabischen Einfluß. Zum Säulengang gelangt man über eine lange Freitreppe. Rechts der Tür befinden sich fünf Bögen, unterstützt durch lange Säulen und schöne Kapitelle, auf der linken Seite befinden sich drei schlichte Bögen, die die zerstörte Originalbögen ersetzen. Im Säulengang bewahrt man den Grabesbogen des Vidas Pascual, Protagonist der berühmten Legende des Vado de Casajar.

Kirche Nuestra Señora del Rivero (© Juan Pablo Tejero Martín)

    Im Inneren sticht ein karger Altaraufsatz des 17. Jahrhunderts hervor, der die Jungfrau del Rivero, Virgen del Rivero, und die Empore mit einer wunderbaren Holztäfelung aus dem 16. Jahrhundert beherbergt. Die Kirche stellt in ihrer Fassade einen im 18. Jahrhundert hinzugefügten Glockenturm zur Schau, der ihr Volumen und Großartigkeit verleiht.

Die Mittelalterliche Brücke

Die Mittelalterliche Brücke (© Juan Pablo Tejero Martín)

    Die lange Steinbrücke mit seinen 16 Pfeilern, die den Duero überquert, ist eines der Elemente, die die Geschichte von San Esteban de Gormaz nachhaltig gekennzeichnet hat. Sie war eine der wenigen Zugänge im Mittelalter, die die Möglichkeit gaben, den Fluß Duero, die Grenze zwischen dem christlichen Reich und Al Andalus zu überqueren. Sicherlich ist es in etwas anderem begründet, als in ihrem mittelalterlichen Ursprung, daß sie, dank ihrer Wichtigkeit, über die Jahrhunderte hinweg nach den jeweiligen Erfordernissen der Epoche, von den Bewohnern San Estebans repariert, restauriert und erweitert wurde.

Übersetzung aus dem Spanischen von
JUAN MECHA GARCÍA und NINA WEMHÖNER




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